Thomas Pluch Drehbuchpreis 2021

Die Gewinner*innen


Der Drehbuchverband Austria freut sich im Namen des Preisstifters Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport die Preisträger*innen der Thomas Pluch Drehbuchpreise 2021 bekannt zu geben. Die internationale Jury hat aus den fünf nominierten Drehbüchern den mit 12.000.- Euro dotierten Thomas Pluch Hauptpreis ausgewählt, er geht an:

Ulrike Kofler, Sandra Bohle und Marie Kreutzer für Was wir wollten

Der Thomas Pluch Spezialpreis der Jury dotiert mit 7.000.- Euro geht ex aequo zu je 3.500.- Euro an

Arman T. Riahi für Fuchs im Bau
und
Pia Hierzegger für Waidmannsdank

Die internationale Jury bestand aus Bettina Böhler (Editorin, Regisseurin, DE), Alfred Holighaus (Autor, Dramaturg und Produzent, DE) und Agnes Pluch (Drehbuchautorin, AT).
Für den Haupt- und den Spezialpreis der Jury waren Another Coin for the Merry-Go-Round von Hannes Starz, Fuchs im Bau von Arman T. Riahi, Sargnagel von Sabine Hiebler und Gerhard Ertl (nach den Büchern Fitness und Statusmeldungen von Stefanie Sargnagel), Waidmannsdank von Pia Hierzegger (nach Waidmannsdank von Alexandra Bleyer) und Was wir wollten von Ulrike Kofler, Sandra Bohle, Marie Kreutzer (nach Der Lauf der Dinge von Peter Stamm) nominiert.

Die nationale Jury, bestehend aus Hilde Berger (Drehbuchautorin, Dramaturgin, Schauspielerin, AT), Sebastian Meise (Drehbuchautor, Regisseur, AT) und Bernadette Weigel (Drehbuchautorin, Regisseurin, Dramaturgin, AT) hat aus den insgesamt 25 Einreichungen fünf Drehbücher für den Hauptpreis nominiert und den Thomas Pluch Preis für kurze oder mittellange Kino-Spielfilme zu 3.000.- Euro vergeben.

Der Thomas Pluch Preis für kurze oder mittellange Kino-Spielfilme dotiert mit 3.000.- Euro geht ex aequo zu je 1.500.- Euro an:

Klara von Veegh für Fidibus
und
Mo Harawe für Life on the Horn

Der Thomas Pluch Drehbuchpreis feiert heuer sein 29-jähriges Bestehen und ist mit einem Preisgeld von insgesamt 22.000.- Euro eine der wichtigsten filmischen Auszeichnungen des Landes. Prämiert werden realisierte Drehbücher abendfüllender Kino- und Fernsehspielfilme österreichischer oder in Österreich lebender Drehbuchautor*innen des letzten Jahres.
Die feierliche Preisverleihung fand gemeinsam mit dem Carl-Mayer-Drehbuchpreis im Rahmen der Diagonale am Freitag, 11. Juni 2021 im Salon Frühling des Hotel Wiesler in Graz statt.

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Die Preisträger*innen

 
 
Was wir wollten

Thomas Pluch Hauptpreis

Mit 12.000.- Euro dotiert


Was wir wollten von Ulrike Kofler, Sandra Bohle, Marie Kreutzer

Für das beste Drehbuch für einen abendfüllenden Kinospielfilm oder einen abendfüllenden Fernsehfilm (ab 70 Minuten).

Jurybegründung
Der unerfüllte Wunsch nach einem Kind stellt die Beziehung eines jungen Paares, das sich seine Zukunft buchstäblich – sprich in Form eines neuen Hauses – aufzubauen beginnt, auf eine schwere Probe. Eine Urlaubsreise soll Trost bringen – und führt sowohl zur Konfrontation mit einer verpassten Chance als auch mit einer Familie, die das zu haben scheint, wovon Alice und Niklas nur träumen können. Ein Schein, der trügt. Die Autorinnen Ulrike Kofler, Sandra Bohle und Marie Kreutzer erzählen die Geschichte vom Kampf um Liebe und Respekt in einer stilistischen Klarheit und beobachtenden Genauigkeit, die nicht nur in der Zeichnung von Figuren und Emotionen überzeugt, sondern schon bei der Lektüre des Drehbuchs einen berührenden Film im Geist der Leser*innen entstehen lässt. Es ist die vom Text erwiderte Liebe zum Detail, die Sicherheit in der Dialogführung und Fähigkeit, große Gefühle und Bewegungen in kleinen Situationen entstehen zu lassen, die die Souveränität und Identität dieses besonderen Drehbuchs ausmachen.
Der Thomas Pluch Hauptpreis geht an „Was wir wollten“ vormals „Der Lauf der Dinge“ von Ulrike Kofler, Sandra Bohle und Marie Kreutzer.

Was wir wollten
Drehbuch: Ulrike Kofler, Sandra Bohle und Marie Kreutzer
nach der Kurzgeschichte “Der Lauf der Dinge” von Peter Stamm
Regie: Ulrike Kofler
Kamera: Robert Oberrainer
Schnitt: Marie Kreutzer
Produzent*in: Alexander Glehr, Johanna Scherz
Mit: Lavinia Wilson, Elyas M’Barek, Anna Unterberger, Lukas Spisser
Kinospielfilm, Österreich 2020, 100 Minuten

Zum Film
Alice und Niklas sind glücklich, es fehlt ihnen an nichts – außer einem Kind. Nach etlichen gescheiterten Invitros fahren sie auf Urlaub nach Sardinien, um ihren Kinderwunsch hinter sich zu lassen. Genau dort allerdings kommt alles hoch, was sie bisher versucht haben zu verdrängen. Eine gutgelaunte Tiroler Familie zieht direkt ins Nachbarhaus und scheint all das zu haben, was ihnen fehlt im Leben. Durch ein unvorhergesehenes Unglück kommt es zu einer Wende ihrer Sicht auf die Dinge und dem Sinn in ihrem Leben, in dem die natürlichste Sache der Welt nicht fruchtet.

 
Ulrike Kofler
 
Sandra Bohle
 
Marie Kreutzer
 
 
 

Thomas Pluch Spezialpreis der Jury

Mit 7.000.- Euro dotiert, geht zur Hälfte mit 3.500,- an


Arman T. Riahi für Fuchs im Bau

Für ein Drehbuch mit besonders herausragend behandelten Aspekten. Der Jury steht frei, die Kategorie festzulegen. Zugelassen sind Drehbücher zu abendfüllenden Kinospielfilmen oder abendfüllenden Fernsehfilmen (ab 70 Minuten).

Jurybegründung
Durch die Begegnung eines psychisch lädierten, aber pädagogisch motivierten Mittelschullehrers mit einer jenseits aller Konventionen und Regeln arbeitenden Gefängnislehrerin wird die Schule einer ganz normalen, also dysfunktionalen Haftanstalt zum Hoffnungsort. Drehbuchautor Arman T. Riahi hat die wahren Erfahrungen des ehemaligen Wiener Gefängnislehrers Wolfgang Riebniger in eine spannende Geschichte gegossen, die einer wesentlichen Frage des gesellschaftlichen Umgangs mit der menschlichen Natur nachgeht: Wie kann der von der Praxis des Strafvollzugs durch Isolation, Bestrafungen und Psychoterror ständig ad absurdum geführte Anspruch auf Resozialisierung für diejenigen erfüllt werden, die zumindest eine erste Chance auf einen gesellschaftlichen Neuanfang verdient haben – die jungen Straftäter*innen? Riahi findet und erfindet als Antwort auf diese Frage originelle, berührende, schockierende und tröstliche Situationen, Szenen und natürlich Figuren, durch die die oben beschriebene Hoffnung nicht nur nicht zuletzt stirbt, sondern tatsächlich überlebt.
Der Thomas Pluch Spezialpreis der Jury geht an Arman T. Riahi für „Fuchs im Bau“.

Fuchs im Bau
Drehbuch: Arman T. Riahi
Regie: Arman T. Riahi
Kamera: Mario Minichmayr
Schnitt: Karina Ressler
Produzent*in: Arash T. Riahi, Karin C. Berger
Mit: Aleksandar Petrović, Maria Hofstätter, Andreas Lust, Sibel Kekilli, Karl Fischer
Kinospielfilm, Österreich 2020, 103 Min

Zum Film
Die neue Arbeitsstelle des ehrgeizigen Mittelschullehrers Hannes Fuchs ist ungewöhnlich: Es ist die Gefängnisschule im Jugendtrakt einer großen Wiener Haftanstalt. Dort trifft Fuchs auf die eigenwillige Gefängnislehrerin Elisabeth Berger, die mit ihren unkonventionellen Lehrmethoden nicht nur die Untersuchungshäftlinge in Schach, sondern auch die Justizwache auf Trab hält. Dem obersten Wachebeamten der Jugendabteilung, Ernst Weber, ist Bergers Kunststunde ein Dorn im Auge, da er sie als Sicherheitsrisiko sieht. Doch genau auf diese Kunststunde legt Berger besonderen Wert, da sich während des Malens sogar die härtesten Insassen beruhigen.

 
Arman T. Riahi
 
 
 

Thomas Pluch Spezialpreis der Jury Mit 7.000.- Euro dotiert

geht zur Hälfte mit 3.500,- an


Pia Hierzegger für Waidmannsdank

Für ein Drehbuch mit besonders herausragend behandelten Aspekten. Der Jury steht frei, die Kategorie festzulegen. Zugelassen sind Drehbücher zu abendfüllenden Kinospielfilmen oder abendfüllenden Fernsehfilmen (ab 70 Minuten).

Jurybegründung
Das Drehbuch zu einer Folge eines etablierten Fernsehformates kann für jede Autorin ein willkommener Auftrag sein, eine weitere Chance zur Vervollkommnung einer Routine. Oder man nimmt es als Herausforderung zur offensiven Bewältigung inhaltlicher, formaler und kreativer Grenzerfahrungen im doppelten Sinne des Wortes. Heißt: Man testet Grenzen der eigenen Fantasie an den Grenzen eines Formates aus. Genau das hat Pia Hierzegger mit WAIDMANNSDANK, ihrem Beitrag zur öffentlich- rechtlichen Landkrimi-Reihe, getan. Die Geschichte einer Reihe von originellen Todesfällen von Mensch und Tier in einer kleinen Kärntner Gemeinde bringt die Klagenfurter Kriminalistin Ilse Acham mit ihrer ruralen Kollegin Martina Schober zusammen, um ein Dorf als das zu erkunden, was es immanent immer ist: ein Mikrokosmos für kriminelle Energie und zwischenmenschliche Katastrophen. Dabei bewegt sich die Autorin auf dem festen Gerüst des klassischen Krimis mit ihren Figuren und Ideen so souverän und wagemutig wie eine Seiltänzerin ohne Netz und doppelten Boden. Man mag sich gerne vorstellen, was da ohne die üblichen Grenzkontrollen noch möglich gewesen wäre.
Der Thomas Pluch Spezialpreis der Jury geht an Pia Hierzegger für „Waidmannsdank“.

Waidmannsdank
Drehbuch: Pia Hierzegger
nach Waidmannsdank von Alexandra Bleyer
Regie: Daniel Prochaska
Kamera: Matthias Pötsch
Schnitt: Alarich Lenz
Mit: Jutta Fastian, Pia Hierzegger, Robert Stadlober, Hannes Flaschberger, Michael Pink
ORF Landkrimi, Österreich 2020, 90 Min

Zum Film
Aus einer kleinen Gemeinde in den Bergen sind bereits viele Bewohner abgewandert. Weil die verbliebenen sich alle kennen, wird vieles untereinander ausgemacht. Als einer der Dorfbewohner bei einem Sturz von einem Hochstand stirbt, glauben die Dorfpolizisten Georg Treichel und Martina Schober zunächst an einen tragischen Unfall. Doch dann stellt sich heraus: Eine der Sprossen der Leiter wurde präpariert, und alle Zeichen sprechen für Mord. Kurz darauf überlebt Bauer und Jäger Hannes Guggenbauer nur leicht verletzt einen Anschlag auf sein Auto, doch Treichel wird dabei schwer verletzt und fällt ins Koma. Um Schober bei der Polizeiarbeit zu unterstützen, wird Oberinspektorin Acham aus Klagenfurt in den kleinen Ort versetzt. Dort verdächtigt bald jeder jeden…

 
Pia Hierzegger
 
 
 
Fidibus

Thomas Pluch Preis für kurze oder mittellange Kino-Spielfilme


Mit 3.000.- Euro dotiert, geht zur Hälfte mit 1.500,- an


Klara von Veegh für Fidibus

Für das beste Drehbuch für Kino-Spielfilme mit einer Mindestlänge von 15 Minuten bis maximal 70 Minuten.

Jurybegründung
Eine Mutter ist mit ihrem kleinen Sohn auf der Flucht. Franziska ist eine liebevolle Mutter. Sie versucht ihr Kind in Sicherheit zu bringen, es zu wärmen und bei Laune zu halten. Franziska erschafft Geborgenheit an den unwirtlichsten Orten. Zwei Körper in schmerzhaft zärtlichen Momenten, zwischen einem Davor und einem Danach. Eine Mutter will ihren Sohn beschützen. Um jeden Preis. Hat sie deshalb sogar getötet?
In dem von uns prämierten Film wird das Entsetzliche ausgespart und doch wirft es seinen Schatten auf jedes Bild. Gewalt und Zärtlichkeit verstärken und bedingen einander. In diesem Drehbuch passiert die Sinnlichkeit unmittelbar, die Erzählung wirkt aus dem OFF. Dieses Buch kann etwas erzählen, ohne davon zu erzählen.
Für diese künstlerische und handwerkliche Leistung möchten wir „Fidibus“ von Klara von Veegh mit dem Thomas Pluch Preis für kurze und mittellange Filme prämieren.

Fidibus
Drehbuch: Klara von Veegh
Regie: Klara von Veegh
Kamera: Aram Baroian
Schnitt: Matthias Halibrand
Produktion: Therese Seemann, Klara von Veegh
Mit: Agnes Veegh, Elias Veegh, Simon Schwarz, Clarissa Sophia Brandeis, Renate Meschuh

Zum Film
Eine Gewalttat zwingt eine junge Mutter mit ihrem 3-jährigen Sohn durch das winterliche Österreich zu fliehen. Auf ihrer Reise muss sie sich ihrer Verantwortung sich selbst und ihren Mitmenschen gegenüber stellen und erkennen, dass wir alle Spuren im Leben der anderen hinterlassen, ob wir es wollen, oder nicht. Eine Befreiungsgeschichte.

 
Klara von Veegh
 
 
 
Life on the horn

Thomas Pluch Preis für kurze oder mittellange Kino-Spielfilme

Mit 3.000.- Euro dotiert, geht zur Hälfte mit 1.500,- an


Mo Harawe für Life on the Horn

Für das beste Drehbuch für Kino-Spielfilme mit einer Mindestlänge von 15 Minuten bis maximal 70 Minuten.

Jurybegründung
Ein verrosteter Giftmüll-Container an der somalischen Küste. Ein Sohn, der versucht für seinen sterbenden Vater zu sorgen, während sich die Menschen rundherum auf die Flucht begeben. Eine Baustelle mit einem einzigen Mann, der geblieben ist, um das Haus fertig zu bauen. Und der Vater, der nicht gehen will, weil er nur zu Hause sterben möchte.
In wenigen Andeutungen und epischer Ruhe erzählt „Life on the Horn“ von einer humanitären Katastrophe. Mit schlichten, atmosphärischen Bildern und beinahe ohne Worte zeigt uns der Film die soziale Schieflage, in die unsere Welt gebracht wurde und in die wir sie tagtäglich immer weiter hineintreiben. Seine Figuren sind dabei ungebrochen und dennoch voller Melancholie. Sie akzeptieren, jede auf ihre Weise, das Schicksal, das ihnen vorgegeben wird.
Mit nur einer handvoll Szenen schafft dieses Buch das, was jede Erzählung anstrebt und dennoch selten gelingt: Verdichtung hin zum Wesentlichen.
Wir gratulieren Mo Harawe zu diesem unglaublich berührenden, erschütternden und wertvollen Drehbuch und prämieren „Life on the horn“ mit dem Thomas Pluch Preis für kurz oder mittellange Kino-Spielfilme.

Life on the Horn
Drehbuch: Mo Harawe
Regie: Mo Harawe
Kamera: Mo Harawe
Schnitt: Alexander von Piechowski
Produktion: Mo Harawe, Deko Adano Ali, Alexander von Piechowski
Mit: Maxamed Axmed Maxamed, Cabdiraxmaan Maxamed, Maxamed Maxamuud Jamac,

Zum Film
Zwei Männer kauern auf ihren Liegestätten, noch halb benommen vom Schlaf. Nach einer Weile reicht der jüngere dem älteren eine Tablette. Es sei die letzte, fügt er hinzu. Die Geschichte einer alltäglichen Katastrophe an der somalischen Küste. Seit Jahrzehnten wird dort illegal Giftmüll abgelagert. Das Tsunami- Erdbeben im Jahr 2004 beschädigte die vergifteten Container, was zur Verbreitung von Krankheiten führte. Viele Menschen vor Ort mussten ihre Dörfer verlassen, aber einige blieben und leben mit den Folgen.

 
Mo Haware
 
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