IF SHE CAN SEE IT, SHE CAN BE IT

Frauen*figuren jenseits der Klischees


Hauptpreis geht an Lisa Terle

Lisa Terle: Trude
Das Treatment Trude von Lisa Terle konnte die hochkarätige Jury überzeugen.
Die Hauptpreisträgerin wird dafür mit einem Preisgeld in der Höhe von 15.000 Euro ausgezeichnet. Zusätzlich erhält sie eine dramaturgische Begleitung zur Erarbeitung eines Drehbuchs. Wir gratulieren sehr herzlich!

 

Jurybegründung

 

Prämiert wird ein Treatment in dem die Protagonistin in fein differenzierten Beziehungen zu drei anderen Frauen steht, so dass beim Lesen atmosphärische Bilder im Kopf entstehen. Die Geschichte ist als Kammerspiel inszeniert und spannt sich in der derzeitigen Fassung über einen Tag und eine Nacht bis zum nächsten frühen Morgen. Alles in allem wird ein stimmiger Eindruck der Stadt Wien in den 1920er Jahren erzeugt: Historische Gesellschaftsbezüge werden auf mikro- und makro-sozialer Ebene als Milieustudien zwischen künstlerischer Bourgeoisie und lohnabhängigen Arbeitern und Arbeiterinnen inmitten aufbrechender Geschlechterverhältnisse und säkularisierter Religionsbezüge skizziert.

Im Fotoatelier der Trude Fleischmann entsteht das bekannte „Nacktportrait“ der Tänzerin Claire Bauroff, über dessen Entstehung auch das berufliche und private Verhältnis Trudes zur Fotoassistentin Steffi Brandl thematisiert wird. Rund um das Dreieck zwischen Trude – Steffi – Claire spielt auch die Mutter Trude Fleischmanns als wohlhabende und interessierte Unterstützerin ihrer Tochter eine ambivalente Rolle in Trudes Leben, das von konzentrierter Arbeit und lustvollen Festen geprägt ist.

Der Film ist ein Portrait über eine Zeitperiode in der „Nacktheit“ nicht nur „Objekt-sein“ sondern auch selbstermächtigender Ausdruck oder „Kostüm“ sein konnte. Der Film ist auch Portrait über Wiens lebendige Künstler*innenszene kurz vor dem Nationalsozialismus. Es ist ein Film über das „Fotografieren“ als Medium selbst; über das Reflektieren von Bilder-Mächten, Menschen, Körpern, Erotik, Faszination und die dabei entstehenden Hierarchien und Machtverhältnissen vor und hinter der Kamera.

Das Treatment zeichnet neugierigen Aufbruch und nervöse Spannung im Privaten wie auch im größeren gesellschaftlichen Rahmen und gibt den Frauenfiguren auf undramatische Weise viel Raum. Diese Selbstermächtigung der Frauen zeigt, wie aktuell und hochpolitisch diese Geschichte in vieler Hinsicht auch heute ist.

Trude
Wien, 1924: die aufstrebende jüdische Fotografin Trude Fleischmann trifft auf die schöne junge Tänzerin Claire Bauroff. Ein Fotoshooting der besonderen Art erweist sich als Wechselspiel von Sehen und Gesehen-Werden, Entblößen und Verhüllen, das nicht nur in der Fotografie, sondern auch in den beiden Frauen permanente Spuren hinterlässt.

Die feierliche Preisverleihung fand am 22. März 2018 im Filmcasino in Wien statt.
Wir freuten uns sehr, die Autorin und Regisseurin Jutta Brückner als Festrednerin gewinnen zu können. Für die Preisverleihung schrieb sie die Rede “Immer Ärger mit den Frauenbildern! Wir brauchen dringend andere und bessere Bilder. Aber was ist der Unterschied zwischen feministische Filme machen und feministisch Filme machen?”.
Aufgrund eines Streiks einer Fluglinie konnte Jutta Brückner ganz kurzfristig nicht anreisen. Erfreulicherweise konnte spontan Ersatz gefunden werden: Die österreichische Journalistin Julia Pühringer erklärte sich bereit, die verschriftlichte Rede vorzutragen.

Die Festrede zum Nachhören >


Die Preisträger*innen der ersten Stufe und somit Nominierten für den Hauptpreis
von IF SHE CAN SEE IT, SHE CAN BE IT waren:

  • Jessica Lind mit Das Fehlen von Hannah
  • Peter Stephan Jungk und Lillian Birnbaum mit Hedys Ekstase
  • Weina Zhao mit Unterstützung von Ines Hochgerner mit Eine unaufgeregte Reise
  • Lisa Terle mit Trude
  • Didi Drobna und Achmed Abdel-Salam mit Zwischen Schaumstoff

 

Die Jury hat aus 77 eingereichten Exposés diese fünf ausgewählt, die mit einem Preisgeld von je 5.000 Euro ausgezeichnet wurden. Die Auszeichnung schloss eine dramaturgische Begleitung durch erfahrene Drehbuchautor*innen mit ein, die gemeinsam mit dem Preisträger*innen ausgewählt wurden.
Im Zeitraum von Oktober 2017 bis Februar 2018 wurden die ausgewählten Exposés von den Preisträger*innen zu Treatments weiterentwickelt und für den Hauptpreis eingereicht.

Wir danken der fünfköpfigen Jury für ihre Fachkenntnis:

  • Katrina Daschner, Künstlerin und Filmemacherin (Pfauenloch), Preisträgerin des Vorjahres
  • Eva Flicker, Professorin am Institut für Soziologie der Universität Wien, Arbeitsschwerpunkte u.a.: Feministische Filmsoziologie und Gender Studies
  • Christian Frosch, Drehbuchautor, Regisseur (Murer – Anatomie eines Prozesses)
  • Johanna Moder, Drehbuchautorin, Regisseurin (High Performance)
  • Cornelia Travnicek, Schriftstellerin (Chucks, Parablüh ¬– Monologe mit Sylvia)

 

Der Preis
Frauen*figuren auf der Leinwand bestimmen die Bilder von Frauen in unserer Gesellschaft. Role-Models jenseits der Klischees zeigen Handlungsmöglichkeiten auf, machen Mut, üben Kritik und verhelfen Zuschauer*innen dabei, sich neu zu positionieren.
Der 2016 initiierte zweistufige Drehbuchwettbewerb IF SHE CAN SEE IT, SHE CAN BE IT. Frauen*figuren jenseits der Klischees unterstützt Autor*innen bei der Entwicklung innovativer Frauen*figuren mit dem Ziel mehr Vielfalt, Lebendigkeit und neue Vorbilder in die Drehbücher und damit auch in die österreichischen und internationalen Kinos zu bringen.

Eine Initiative des Drehbuchforum Wien und des Österreichischen Filminstituts/gender*in*equality in Kooperation mit FC GLORIA Frauen Vernetzung Film.

Ausführliche Beschreibungen der Nominierten und die Biografien der Jurymitglieder finden Sie in der Pressemappe >


Eine Initiative des Drehbuchforum Wien und des Österreichischen Filminstituts/gender*in*equality